Behandlungsspektrum Wirbelsäule
Minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie
Die Überregionale Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis mit Praxisräumen in der Ostseeklinik Kiel ist seit September 2007 auch operativ in der Ostseeklinik tätig. Sie behandelt mikrochirurgisch minimalinvasiv vornehmlich Patienten mit lumbalen und zervikalen Bandscheibenvorfällen (BSV LWS, BSV HWS), mit lumbalen und zervikalen Spinalkanalstenosen (SKS LWS, SKS HWS ), sowie Patienten mit Wirbelbrüchen durch Zementapplikation ( Vertebro- oder Kyphoplastie). Das Spektrum der minimalinvasiven operativen Therapie wird demnächst durch die Einführung der endoskopischen Bandscheibenchirurgie erweitert.
Der Patient steht im Mittelpunkt
Ein operatives Vorgehen wird bei weiterhin bestehenden Beschwerden nach dem Ausschöpfen aller konservativen Therapiemethoden im Zeitraum von 6-8 Wochen oder nach Auftreten von Lähmungserscheinungen bei z. B. gesichertem Bandscheibenvorfall sowie bei einer Stenose notwendig. Der Patient wird nach ausführlicher ambulanter Vorbereitung und Aufklärung in der Neurochirurgie und Anästhesie stationär am OP-Tag aufgenommen und bei regelrechtem Erholungsverlauf unter krankengymnastischer Betreuung in der Regel am 5. Tag nach Operation aus der stationären Behandlung entlassen. Nach dem 5-6 tägigen stationären Aufenthalt schließen sich weiterführende krankengymnastische Anwendungen, Rückenschule oder eine rehabilitative stationäre Weiterbehandlung an. Eine Wiedervorstellung zur postoperativen Nachschau in der Neurochirurgischen Praxis findet in einem Zeitraum zwischen ca. 4 bis 8 Wochen statt. Hier hat der Patient Gelegenheit, mit dem Arzt alle offen gebliebenen Fragen und die zwischenzeitlichen Erfahrungen zu besprechen.
Der lumbale Bandscheibenvorfall
Am häufigsten sind die beiden letzten Bandscheiben der Lendenwirbelsäule, also die Segmente LW 4/5 und LW 5/SW 1 betroffen (Abb. 1). Die Patienten klagen über Rückenund Beinschmerzen und schmerzhafte Bewegungseinschränkungen. Das klassische Symptom ist der ins Bein einstrahlende Schmerz, begleitet durch Kribbelmissempfindungen, welcher beim Husten, Niesen und Pressen verstärkt wird.
Bei fortschreitendem Druck auf den Nerv kommt es zu Ausfallserscheinungen wie Reflexausfällen, Gefühlsstörungen und Lähmungen. Dann ist ein operatives Verfahren angeraten. Über einen minimalinvasiven Zugang, der interlaminären Fensterung, wird ein Fenster zwischen den Wirbelbögen geschaffen und dann der Bandscheibenvorfall entfernt (Abb. 2).
Der zervikale Bandscheibenvorfall
Die Patienten klagen sehr häufig über Nacken- Schulterschmerzen, gelegentlich mit Ausstrahlungen in den Hinterkopf oder in den Brustbereich. Eine Verspannung der Schulter- Nackenmuskulatur und Steifhaltung des Halses folgen den Schulter-Armschmerzen, welche bis in die Finger einstrahlen können. Am häufigsten sind die Halswirbelsäulensegmente HW 5/6 und HW 6/7 betroffen (Abb. 3).
Mit zunehmender Schwere der Nervenirritation durch den Bandscheibenvorfall kommt es zu Ausfallserscheinungen wie Reflexausfällen, Gefühlsstörungen und Lähmungen. Man unterscheidet den weichen Bandscheibenvorfall (Risse in der Bandscheibe) von dem harten Vorfall, welcher eine knöcherne Einengung des Nerven durch verschleißbedingte Veränderungen des Knochens nach sich zieht. Ein operatives Verfahren würde bei Fortbestehen der Beschwerden unter konservativer Therapie nach 6- 8 Wochen oder nach Auftreten von Lähmungserscheinungen bei z.B. gesichertem Bandscheibenvorfall oder Stenose notwendig werden. Die Operation erfolgt über einen offenen Zugang von der vorderen seitlichen Halsfläche aus (ventraler Zugang). Nach Ausräumen des Bandscheibenvorfalls oder Beseitigung der Verengung erfolgt dann das Einbringen eines Dübels zur Stabilisierung und Versteifung der Halswirbel (Abb. 4).
Nach der Operation wird eine Röntgen-Kontrollaufnahme der Halswirbelsäule durchgeführt. Das Tragen einer Halskrause ist nicht notwendig. Am Tag nach der Operation beginnt der Patient mit der Krankengymnastik zur Kräftigung der Schulter- Nacken-Muskulatur. Isometrische Übungen werden unter krankengymnastischer Anleitung erlernt, die vom Patienten in Eigenregie fortgeführt werden sollten.
Die lumbale Spinalstenose
Eine Verengung des Spinalkanals entsteht durch die Degeneration der Bandscheiben, knöcherne oder bindegewebige Verdickungen im Rahmen des Verschleißes, durch ein Wirbelgleiten oder eine Instabilität der Wirbelsäule (Abb. 5). Der Patient beschreibt über lange Zeiträume ausgeprägte Rückenschmerzen, ein Ziehen in den Leisten, Gesäß und Oberschenkeln, sowie belastungsabhängige Beschwerden in den Beinen mit einer Einschränkung der Gehstrecke. Diese kann über Jahre immer geringer werden. Das Radfahren hingegen bereitet oft keine Schwierigkeiten. Nicht selten wird fälschlicherweise an eine Durchblutungsstörung der Beine gedacht (Schaufensterkrankheit), diese kann jedoch mit einer Ultraschalluntersuchung der Beingefäße ausgeschlossen werden.
Das Ziel der operativen Behandlung der lumbalen Spinalkanalstenose ist die Dekompression des Spinalkanals unter Schonung der Stabilität der Wirbelsäule und damit die Vermeidung der segmentalen Instabilität. Dabei wird in mikrochirurgischer Technik das bedrängende gelbe Band (Lig. Flavum) und Teile des Knochens unter dem Einsatz des Mikroskops abgetragen, so dass die nervalen Strukturen wieder einen freien Verlauf nehmen können. Bevorzugt wird dabei die Technik des interlaminären Zugangs mit Undercutting zur Gegenseite oder der bilaterale Zugang unter Schonung des Dornfortsatzes (Abb. 6).
Bei den meisten Patienten kann auf diese Art und Weise mit einem kleingehaltenen, wenig belastenden Eingriff eine erhebliche Verbesserung der Beschwerden und Wiederherstellung der Lebensqualität erreicht werden. Größere Eingriffe wie Versteifungsoperationen können hierdurch sehr oft vermieden werden. Hierzu beraten wir Sie gerne ausführlich.
(Abb 1.) BSV LW 4/5 links (MRT LWS)
(Abb 2.) interlaminärer Zugang LWS durch Schaffung eines Fensters unter Schonung des Gelenks
(Abb 3.) BSV HW 6/7 links (MRT HWS)
(Abb 4.) HWS – Dübel (Cage) Ventrale Fusion
(Abb 5.) Spinalkanalstenose LW 4/5 beidseits (MRT LWS)
(Abb 6.) Dekompressionstechniken bilateral und unterschneidende Dekompression zur Gegenseite (Undercutting).
(Abb 6.) Dekompressionstechniken bilateral und unterschneidende Dekompression zur Gegenseite (Undercutting).